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bvvp-Hamburg: Wer wir sind

Der bvvp-Hamburg ist als integrativer Berufsverband der einzige, der die Interessen aller psychotherapeutischen Berufsgruppen (rztliche Psychotherapeuten, Psychiater, Fachrzte fr psychosomatische Medizin, Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) mit allen sozialrechtlich anerkannten Therapieverfahren (analytische Psychotherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie) gleichermaen und engagiert vertritt.
Im Vorstand des bvvp-Hamburg sind rzte wie Psychologen, Therapeuten fr Erwachsene wie KJP und alle drei in der Richtlinienpsychotherapie zugelassenen Verfahren vertreten. Mitglieder des Vorstands des bvvp-Hamburg arbeiten in den Gremien der KV ebenso wie in der rzte- und der Psychotherapeutenkammer mit.

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG von bvvp, DPtV und VAKJP zur Psychotherapeuten-Ausbildungsreform

SpiFa-Papier: Verband geht mit unlauteren Methoden gegen den Reformprozeß vor
 
Berlin, 27. Oktober 2017. In seinem jüngsten Vorstoß gegen die Ausbildungsreform für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wird  vom Spitzenverband der Fachärzte (SpiFa) und dessen Ausschussvorsitzenden (Ausschuss für Psychotherapie in den Fachgebieten und Psychosomatische Medizin, Psychiatrie sowie Neurologie) Dr. Christian Messer behauptet, „die“ Psychotherapeutenschaft lehne den im Juli 2017 vorgelegten Arbeitsentwurf des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur Ausbildungsreform  ab. Dazu wird ausgeführt: „der Arbeitsentwurf des Psychotherapeutenausbildungsreformgesetzes“ (PsychThAusbRefG) wird mittlerweile von der Psychotherapeutenschaft (Ärzte, Psychologen, Sozial-Pädagogen) überwiegend kritisch gesehen und in weiten Teilen abgelehnt“. Diese Aussage ist falsch und kann nicht unwidersprochen bleiben.
 
Der SpiFa deutet kritische Anmerkungen aus unterschiedlichen Verbänden zu einzelnen Aspekten des Gesetzes als grundsätzliche Ablehnung um. Es wird damit eine Ablehnung durch die aufgezählten Psychotherapeutenverbände suggeriert, die nicht den Tatsachen entspricht.
 
Der 25. Deutsche Psychotherapeutentag hat die Ausbildungsreform gefordert. Diverse Verbände, wie beispielsweise die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV), der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) und die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP) haben ausdrücklich die Vorlage eines Arbeitsentwurfs begrüßt und eine Weiterentwicklung des Entwurfs gefordert. Auch der Beratende Fachausschuss Psychotherapie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), besetzt mit psychotherapeutisch tätigen (Fach-)Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten der verschiedensten Verbände, hat den Arbeitsentwurf in seiner Septembersitzung grundsätzlich gewürdigt.
 
Der SpiFa führt in seinem Brief eine Vielzahl von Verbänden auf, die angeblich den Entwurf ablehnen. Die aufgeführten Verbände vertreten zum einen nicht die Mehrheit der Psychotherapeuten, zum anderen wurde keine Einwilligung zu diesem Brief eingeholt. Auch hat der diesjährige Deutsche Ärztetag (DÄT) sich nicht gegen den Arbeitsentwurf geäußert, da dieser erst nach dem DÄT vorgelegt wurde.
 
Die Befürworter der Reform haben keinerlei Interesse daran, in Konkurrenz mit den ärztlichen Kollegen zu treten oder die ärztlichen Kompetenzen in Frage zu stellen. Ziel der Reform ist es, eine bundeseinheitlich normierte, am Wohle der Patienten ausgerichtete, wissenschaftlich fundierte Hochschul-Ausbildung für Psychotherapeuten zu entwickeln und zu garantieren, dass diese mit der Approbation abschließt. Wie im Arbeitsentwurf ausgeführt, müssen die approbierten Studienabsolventen eine Weiterbildung durchlaufen, um in einem wissenschaftlich anerkannten Verfahren die Fachkunde zu erwerben. Erst danach können sie sozialrechtlich anerkannt heilkundlich tätig werden. Die Weiterbildung soll außerdem nach den Altersgruppen Kinder/Jugendliche und Erwachsene spezifiziert werden. Das ist vergleichbar mit der ärztlichen Weiterbildung.
 
Hinsichtlich der geplanten Modellstudiengänge zur Pharmaka-Verordnung sind sich die großen Verbände der niedergelassenen Psychotherapeuten übrigens mit dem SpiFa einig:  DPtV, bvvp und VAKJP haben sich eindeutig gegen die Modellstudiengänge im Rahmen des Psychotherapiestudiums ausgesprochen.
 
Die unterzeichnenden Verbände betonen: „Wir fordern den SpiFa und andere ablehnende Organisationen auf, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. Es geht hier um die grundsätzliche Neuordnung klarer Aus- und Weiterbildungsstrukturen für die zukünftigen Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Quelle: bvvp, 27.10.17

Gemeinsame Pressemitteilung von bvvp, DGPT und DPtV zum Urteil des Bundessozialgerichts vom 11.10.2017

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG
 
++ bvvp ++   Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten
++ DGPT ++ Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie
++ DPtV ++   Deutsche PsychotherapeutenVereinigung
 
  
Bundessozialgerichts Urteil
Bittere Enttäuschung für Psychotherapeuten – Gericht zementiert Psychotherapiehonorare auf unterstem Niveau
 
Kassel 11.10.2017. In seinen heutigen Urteilen hat das Bundessozialgericht (BSG) die Beschlüsse des Bewertungsausschusses zur Vergütung der psychotherapeutischen Leistungen grundsätzlich bestätigt. Insbesondere hält das Gericht die willkürliche Systematik der „Strukturzuschläge“ für rechtens, die die Kosten für die Einstellung von Personal nur Praxen mit einem überdurchschnittlichen Umsatz zuerkennt. Damit weicht das BSG ganz gravierend von seiner bisherigen Rechtsprechung ab. „Mit seinen heutigen Urteilen festigt das BSG die derzeitigen Praxisstrukturen der Psychotherapeuten*, bei denen es nur den umsatzstärksten Praxen überhaupt möglich ist, Personal anzustellen. Damit lässt das Gericht die Überschüsse der Psychotherapeuten und der somatisch tätigen Ärzte noch weiter auseinanderdriften!“ kritisieren die Verbände in einer gemeinsamen ersten Reaktion. (Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV)).
 
Bisher ging das BSG davon aus, dass jeder Praxis, unabhängig von ihrem Umsatz, eine Mindestvergütung pro Sitzung zusteht, in die eine bestimmte Mindestausstattung an Personal eingerechnet ist.
 
Zwar hat das BSG einen geringen Korrekturbedarf bei der Vergütung der genehmigungspflichtigen Leistungen in 2011 und ab 2012 rückwirkend zugestanden und dem Bewertungsausschuss die Neubewertung dieser Leistungen prospektiv verordnet, doch ist das Gericht in einem wesentlichen Punkt von seiner bisherigen Rechtsprechung abgewichen.
 
Mit der Reform der Psychotherapie-Richtlinie durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz verband die Politik die Erwartung der Verbesserung der Versorgung mit ambulanter Psychotherapie. Dies erfordert neue Praxisstrukturen mit einem erhöhten Einsatz von Personal. Das BSG hemmt mit seinen heutigen Urteilen diese Entwicklung und zementiert die Psychotherapiehonorare auf dem untersten, vom Bewertungsausschuss festgelegten Niveau. Bereits jetzt liegt der Überschuss, den psychotherapeutische Praxen pro Stunde erzielen, bei nicht einmal der Hälfte des Überschusses von somatisch tätigen Arztpraxen.
 
„Es wird der Bedeutung psychischer Erkrankungen und ihrer Behandlung nicht gerecht, dass Gesprächsleistungen deutlich schlechter honoriert werden als somatische und technische Leistungen der Medizin“, betonen die Verbände in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.
 
Die drei Verbände der Psychotherapeuten appellieren an den Gesetzgeber, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Vergütung der Psychotherapie zu verbessern und dies bereits in ihrer Koalitionsvereinbarung zu verankern. Die bisherige Vorschrift zur „angemessenen Vergütung“ psychotherapeutischer Leistungen in § 87 Abs. 2c Sozialgesetzbuch V (SGB V) habe sich als unzureichend erwiesen.
 
Entschieden wurde heute in vier Revisionsverfahren zur Honorierung der Psychotherapeuten aus dem Jahr 2011 bzw. 2012 und Folgende:
 
AZ.: B 6 KA 8/16 R; B 6 KA 35/17 R; B 6 KA 36/17 R;  B 6 KA 37/17 R.
  
* Für die bessere Lesbarkeit haben wir darauf verzichtet, jedes Mal die Berufsgruppe ausdrücklich aufzuführen. Bei ‚Psychotherapeuten’ sind ausdrücklich immer sowohl die ärztlichen als auch die psychologischen Psychotherapeuten gemeint, als auch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.
 
Medienanfragen beantworten
bvvp Bundesgeschäftsstelle
Anja Manz – Öffentlichkeitsarbeit
Württembergische Straße 31, 10707 Berlin
Tel.: 030 88 72 59 54
E-Mail: presse@bvvp.de
 

Delegiertenversammlung vom 28.-30.09.2017 in Erfurt: Neuer bvvp-Vorstand gewählt

Der bvvp (Bundesverband) hat einen neuen Vorstand gewählt:

 

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PRESSEMITTEILUNG

 

Benedikt Waldherr (Psychologischer Psychotherapeut) ist zum Vorsitzenden des bvvp gewählt worden. Er wird seine Erfahrungen aus 15 Jahren Vorstandsvorsitz im Landesverband Bayern einbringen können, den er seit dem Frühjahr 2017 weiterhin als Beisitzer unterstützt. Benedikt Waldherr war zuvor in der KV Bayern und in der Landeskammer der PP/KJP in Bayern in verschiedenen Funktionen aktiv.

 

 

 

 

 

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Zur stellvertretenden Vorsitzende wurde die Psychosomatikerin, Psychiaterin und Psychoanalytikerin Angelika Haun als Ärztliche Psychotherapeutin gewählt.

 

 

 

 

 

 

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Ergänzt wird der geschäftsführende Vorstand durch den ebenfalls neu ins Amt

gewählten Martin Klett (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut).

 

 

 

 

 

 

Als integrativer Verband aller an der vertragsärztlich-psychotherapeutischen Versorgung Beteiligten bilden somit ein Psychologischer Psychotherapeut, eine Ärztliche Psychotherapeutin sowie ein Kinder-und Jugendlichepsychotherapeut das Vorstandsteam.

bvvp zum neuen Psychotherapeuten-Gesetz: "Wir brauchen diese Reform"(Veröffentlichung des Interviews mit freundlicher Genehmigung des ÄND, 27.09.2017 17:11:20, Autor: js)

Der Titel des Gesetzes ist ebenso lang wie die Liste der bislang geäußerten Kritikpunkte an dessen Inhalten: Der Entwurf des „Psychotherapeutenausbildungsreformgesetzes“ erhitzte in den vergangenen Wochen die Gemüter bei Fachgesellschaften und Verbänden. Zu einer Versachlichung der Debatte fordert der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (bvvp) auf. Die Besonderheit dabei: Neben Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten besteht der über 5000 Mitglieder starke Verband zu rund 50 Prozent aus ärztlichen Mitgliedern. Gibt es also heiße Diskussionen innerhalb der Organisation?

Der ÄND sprach mit den bvvp-Vorstandsmitgliedern Martin Klett und Angelika Haun.

 

 

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Klett: "Die ganze Ausbildung ist überwiegend vom Nachwuchs eigenfinanziert."

 

 

 

 

 

 


ÄND: Frau Haun, Sie sind niedergelassene Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Fachärztin für Psychiatrie und Psychoanalytikerin aus Oldenburg. Herr Klett, Sie betreiben eine Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Freiburg. Da Sie beide im bvvp-Bundesvorstand sitzen, wird schon hier deutlich: Ihr Verband nimmt mit seinem berufsübergreifenden Ansatz eine Sonderstellung ein. Wie laufen – gerade bei strittigen Themen wie dem neuen Gesetzentwurf – die verbandsinternen Debatten ab? Gibt es unterschiedliche Lager, die versuchen, sich zu überstimmen?


Klett
: Von unterschiedlichen Lagern kann man zum Glück nicht sprechen – aber natürlich gibt es unterschiedliche Positionen. Die Diskussionen darüber sind aber immer geprägt von dem Willen, eine gemeinsame Position in diesen Sachfragen hinzubekommen. Da gibt es keine Spaltungen. Im Gegenteil sehe ich das als Vorteil unseres Verbandes: Wir sind gezwungen, über Verfahrens- und Berufsgrenzen hinweg zu bestimmten Themen einheitliche Positionierungen zu erarbeiten. In meinen Augen haben diese dann umso mehr Gewicht.


Haun: Darin sehe ich ebenfalls im positiven Sinne eine Sonderstellung des bvvp und einen spannenden Ansatz: Wir müssen intern diskutieren. Da gibt es natürlich differierende Positionen und es wird auch kontrovers debattiert. Der Meinungsaustausch wird aber immer von gegenseitigem Respekt und Anerkennung der jeweiligen Kompetenzen in den einzelnen Bereichen getragen. Man blickt dann ja auch über den eigenen Tellerrand hinweg, wenn man eine andere Sichtweise erläutert bekommt.

Klett: Ergänzend vielleicht noch dazu: Wer bei uns Mitglied ist, geht im Grunde davon aus, dass Psychotherapie eine berufsgruppenübergreifende Angelegenheit ist. Oft wird von Streitereien zwischen Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten gesprochen. Da wird aber meist nur künstlich aufgebauscht und es werden Probleme herbeigeredet, wo gar keine sind. Wir sehen das Gemeinsame in unserem Bereich.

ÄND: Schauen wir uns einmal das Reformgesetz an – und speziell dessen Vorgeschichte: Wie lange diskutieren Sie schon mögliche Veränderungen in der Ausbildung der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten?

Klett: Im Grunde begannen die Debatten schon direkt nach der Verabschiedung der bestehenden Gesetzgebung. Das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums 2009 angefertigte Forschungsgutachten zur Ausbildungssituation hat dann aber sicher ein neues Kapitel aufgeschlagen. Da war zunächst noch keine Rede von Direktausbildung. Aber im Laufe der Jahre stellte sich heraus, dass wie die bestehenden Probleme nicht in den Griff bekommen, wenn wir nicht strukturell etwas ändern.

ÄND: Welche Probleme meinen Sie?


Klett: Da sind zwei große Probleme zu nennen. Erstens: Nach Bologna-Reform von 2002 gibt es den Studiengang Diplom-Psychologie, der im ursprünglichen Psychotherapeutengesetz eine zentrale Rolle spielte so nicht mehr. Inzwischen herrscht völlige Unklarheit über die Zugangsvoraussetzungen zur Psychotherapie. Es gibt so viele verschiedene Psychologie-Studiengänge, bei denen nicht immer klar ist, ob sie die im Psychotherapeutengesetz genannten Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung erfüllen. Bei den KJP ist das noch unklarer, in einigen Bundesländern reicht der Bachelorabschluss in einem pädagogischen Studienfach aus, in andern Bundesländern braucht man dafür aber den Master. Die einzelnen Approbationsbehörden der Länder müssen dauernd überlegen, welcher Studiengang nun noch die Vorgaben des bestehenden Psychotherapeutengesetzes erfüllt und welcher nicht. Ich bin in Baden-Württemberg in einer Arbeitsgemeinschaft engagiert, die im Auftrag des zuständigen Ministeriums solche kritischen Fragen klärt. Glauben Sie mir: Wenn man dort sitzt, begreift man sehr schnell, warum eine Reform nötig ist.
Zweitens: Die ganze Ausbildung ist überwiegend vom Nachwuchs eigenfinanziert. Erst in der fortgeschrittenen Ausbildung kommt Geld durch die GKV-Patientenbehandlung rein, das dann gerade einmal die Ausgaben deckt – zum Leben bleibt da nichts. Die Leute müssen alle nebenher arbeiten. Das kann es nicht sein. Wir brauchen eine angemessene Vergütung für unseren Nachwuchs während der praktischen Ausbildungsphase. Bis jetzt wird der Nachwuchs in erheblichen Maße in den Ausbildungskliniken ausgenutzt. Dieser Zustand ist untragbar geworden.

ÄND: Einige Verbände haben kritisiert, dass der Gesetzentwurf zwar endlich eine einheitliche Psychotherapeuten-Ausbildung vorsieht. Er definiere aber nicht, wozu Bachelor uns Master jeweils befähigten. Frau Haun: Haben Sie da nicht auch Bauchschmerzen oder sehen Sie das Konzept ganz klar?


Haun: Sehr klar kann da vermutlich noch niemand sehen. Es wurde ja auch bewusst Einiges im Unklaren gelassen. Zum Beispiel steht bewusst nicht im Entwurf, wie der Beruf nach einer Approbation heißen soll. Da gibt es noch Diskussionsbedarf und Konflikte, an deren Lösung noch gearbeitet werden muss.
Insgesamt habe ich auch an der einen oder anderen Stelle etwas Bauchschmerzen und sehe Unklarheiten und auch Gefahren. Die Lage ist aber lange nicht so dramatisch, wie von einigen Verbänden geschildert.


Klett: Das Studiums soll als Bachelor und Masterstudiengang strukturiert werden. Aber sowohl nach dem Bachelor als auch nach dem Master soll eine Staatsprüfung stattfinden. Dabei ist klar, wozu diese Staatsprüfungen befähigen: Nach dem Bachelor kann man damit den Masterstudiengang beginnen, an dessen Ende dann neben der Masterprüfung auch die 2. Staatsprüfung steht. Wozu die befähigt, ist ebenfalls klar: Damit erhält man die Approbation, und diese erlaubt berufsrechtlich die Ausübung der Heilkunde. Allerdings – und das wird bei der Kritik oft unterschlagen – nicht im System der GKV und PKV. Dazu bedarf es der Fachkunde, die man aber erst am Ende einer voraussichtlich 5-jährigen Weiterbildung erhält.
Zu was ein Bachelor und/oder ein Masterabschluss ohne Staatsprüfung befähigt, das müssen sich die Hochschulen und die zuständigen Ministerien überlegen, jedenfalls werden Bachelor- und Masterabschlüsse in keinem Fall zur Ausübung der Heilkunde berechtigen, weder berufs- noch sozialrechtlich.


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Haun: "Die niedergelassenen Psychiater sind wirklich schlecht behandelt worden."

 

 

 

 

 

 

 

 

ÄND: Auf der ärztlichen Seite wäre es sicher wenig Verständnis dafür vorhanden, wenn der Abschluss immer Psychotherapeut lauten würde...


Haun: Natürlich. Da sehe ich auch berufsrechtliche und sozialrechtliche Fragen ungeklärt: Wer darf wann wie arbeiten? Die Sorge ist dann, dass mit der Approbation – ohne Weiterbildung – schon als Psychotherapeut gearbeitet werden darf. Das befürworten wir nicht. Eine Niederlassung im GKV-System wird aber – genauso wie bei den Ärzten – erst nach der Weiterbildung möglich sein.
Die Befürchtung ist dabei natürlich immer, dass approbierte Psychotherapeuten, die sich dann ja noch nicht niederlassen können, zum Beispiel als billige Arbeitskräfte und Ersatz für fehlende Ärzte an Kliniken eingesetzt werden könnten.


ÄND: Eine unbegründete Befürchtung?


Haun: Einerseits schon – aber wir haben das Problem jetzt schon und es ist alles viel schlechter geregelt, als wenn man versucht, im Rahmen einer Reform Steuerungsmöglichkeiten zu finden, zum Beispiel für die Anzahl der jährlichen Absolventen. Derzeit erhalten knapp 2.700 jährlich die Approbation. Die finden dann nicht ausreichend Arbeit und sind ausnutzbar.


ÄND: Sie sind also unter dem Strich für die Reform?


Haun: So ist es. Ich habe einige Fragezeichen – bin aber optimistisch. In manchen rein ärztlichen Verbänden werden die Gefahren überzeichnet. Wir brauchen diese Reform und werden die Gefahren, die noch auf dem Weg liegen, sicher ausdiskutieren.


Klett: Dem stimme ich zu. Was unsere grundsätzlichen Positionen angeht: Für uns ist es auch ganz wichtig, dass die Weiterbildung – dazu steht jetzt ja noch gar nichts im Entwurf – solide finanziert ist. Auch müssen die psychotherapeutischen Verfahren in ihren Grundzügen den Studenten von geeignetem Personal vermittelt werden und es darf der Anteil an praktischer Erfahrung nicht zu kurz kommen. Das erscheint uns im jetzigen Entwurf noch zu dünn. Wir fordern ja ein elftes Praxissemester, damit die Approbation auch wirklich gerechtfertigt ist.


ÄND: Bei dem geplanten Bachelor- und Masterstudiengang scheint unklar, wann wer Psychopharmaka zu verschreiben darf. Das hat zu Irritationen gefühlt....


Klett: ...und zu der irrigen Annahme, dass es unsere Forderung gewesen wäre. Dabei kann die Forderung nach der Befugnis zu einer Pharmakotherapie überhaupt nicht aus der Profession. Im Gegenteil kann ich mir gut vorstellen, dass auf dem nächsten deutschen Psychotherapeutentag irgendjemand eine Resolution vorbereitet, nach der die Profession das ablehnt. Das ist einfach zu umstritten. Das haben andere Interessensvertreter ins Gesetz geschrieben – die Gesundheitsverantwortlichen der Länder, in denen es einen Psychiater-Mangel gibt. Dann wurde es aufgebauscht und uns unterstellt, dass wir das wollten. Dem ist aber nicht so.


Haun: Aus ärztlicher Sicht kann ich das ergänzen: Das kommt eher aus der Gesundheitspolitik, weil es ja einen stetig zunehmenden Psychiater-Mangel gibt. Verwunderlich ist das nicht. Die niedergelassenen Psychiater sind wirklich schlecht behandelt worden. Viele haben verzweifelt aufgegeben. Die schlechte finanzielle Ausstattung hat auch zu unnötigen Grabenkämpfen geführt.
Ich halte es für ausgeschlossen, dass ausreichendes pharmakologisches Wissen in einem Modellstudiengang nebenher vermittelt werden kann. Man kann und sollte zwar Wissen in dem Bereich erwerben. Um verantwortlich verordnen und genau einzuschätzen zu können, was die Medikamente an- und ausrichten, gehört das jedoch in ein breites medizinisches Wissen eingebettet. Im Studium eignet sich ein Arzt das auch nicht nur durch pharmakologischen Kurse an, sondern im Gesamtblick dessen, was er an medizinischem Wissen erwirbt. Da sind wir uns aber im Verband einig und haben keine Kontroverse.


Klett: Ich bin mal gespannt, wann von Seiten der Psychologischen Fakultäten, an denen ja voraussichtlich das Studium größtenteils stattfinden soll, die Botschaft kommt, dass die das auch nicht wollen. Wie wollen die das denn machen? Das Thema müssten sie ja an die medizinischen Fakultäten geben. Zumindest im Moment eine deplatzierte Forderung.


ÄND: Wie gehen Sie weiter mit dem Gesetzentwurf um. Wird das ein großes Thema auf Ihrer Delegiertenversammlung Ende der Woche?


Klett: Wir waren ja schon bei zwei Anhörungen dazu geladen und werden weiter das Gespräch mit den Gesundheitspolitikern suchen. Auch auf der Delegiertenversammlung werden wir die Entwicklung noch einmal genau vorstellen und hoffen auf angeregte Diskussion. Ich bin dabei zuversichtlich, dass wir eine einheitliche Positionierung erreichen werden.


ÄND: Sie hatten grade den Ärztemangel angesprochen. Wo wünschen Sie sich mehr Unterstützung von der Politik, damit die Rahmenbedingungen für die ärztliche Tätigkeit besser gestaltet werden können?


Haun: Neben strukturellen Veränderungen – wie einer Anpassung der Ausbildung an eine verbesserte Bedarfsplanung – wünsche ich mir zunächst etwas mehr Ehrlichkeit. Die Politik sollte offen anerkennen, dass wir einen Mangel haben. Der ist anhand des Altersdurchschnitts der Kollegen schon seit Jahren absehbar – aber ständig geleugnet worden. Gleichzeitig hat sich die Honorierung zum Beispiel im Vergleich mit den 80er Jahren deutlich verschlechtert. Das führt übrigens dazu, dass der Beruf von immer mehr Männern gemieden wird, die eher auf einen auskömmlichen Verdienst Wert legen. Frauen sind da vielleicht etwas idealistischer – merken aber auch, dass die hohe Arbeitsbelastung in Klinik und Niederlassung nicht familienfreundlich ist. Wir brauchen andere Bedingungen.


Klett: Bei uns sind die Vorzeichen ja eher umgekehrt. Die Ausbildung findet an privaten Instituten stattfindet. Jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, kann ein Institut gründen. Wir haben eigentlich zu viele Absolventen, die dann händeringend Arbeit suchen und keine finden. Da würden wir uns von einer Reform, nach der alle durch ein Studium müssen, mehr Steuerung erwarten. Daher wollen wir die Sache konstruktiv begleiten.


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des ÄND, 27.09.2017 17:11:20, Autor: js

SEGEMI - Der „Dolmetscher- / Sprachmittlerpool“ startet!

"Arbeit zu Dritt" - Modellprojekt zur Integration von SprachmittlerInnen in die ambulante psychotherapeutisch-psychiatrische Versorgung in Hamburg

Endlich ist es soweit: Der „Dolmetscher- bzw. Sprachmittlerpool“ steht seit dem 01. September 2017 für die ambulante psychotherapeutische bzw. psychiatrische Arbeit in Hamburg zur Verfügung.

Im Herbst 2016 beschloss die Hamburgische Bürgerschaft die Finanzierung eines "Dolmetscherpools" für die psychotherapeutische Behandlung von traumatisierten und psychisch kranken geflüchteten Menschen. Der Verein SEGEMI Seelische Gesundheit Migration und Flucht e.V. hatte hierzu in Kooperation mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Psychotherapeutenkammer Hamburg ein Konzept entwickelt. Eine ausführlichere Pressemitteilung ist der Mail beigefügt.

Am 20.09.2017 fand eine Auftaktveranstaltung statt, in welcher das Projekt vorgestellt wurde. Unter anderem wurde die Zusammenarbeit mit SprachmittlerInnen in der Psychotherapie erläutert und darüber informiert, wie die Beantragung an den Dolmetscher-/Sprachmittlerpool funktioniert.

Die Veranstaltung richtete sich an alle Berufsgruppen, die in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung tätig sind sowie an alle PsychotherapeutInnen in Ausbildung und FachärztInnen in Weiterbildung. Auch interessierte KollegInnen anderer Facharztrichtungen sowie Sprach- und KulturmittlerInnen und Interessierte waren herzlich eingeladen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dazu beitragen können, dass zukünftig mehr KollegInnen die Arbeit mit qualifizierten SprachmittlerInnen wagen und somit mehr Flüchtlinge und MigrantInnen einen Weg in die Hamburger Regelversorgung finden.


SEGEMI – Seelische Gesundheit Migration und Flucht e.V.
Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Seelischen Gesundheit von Migranten und Flüchtlingen in der Metropolregion Hamburg

Cornelia Reher, Dr. Mike Mösko, Dr. Marc Burlon, Martina Simon, Leon Sautier &  Hans-Heinrich Benecke (Vorstand)

www.segemi.org

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