| bvvp | Baden-Württemberg | Vorsitzende:
Dr. med. Regine Simon Schwimmbadstr. 22 79100 Freiburg Tel.: 0761 7072 153 Fax: 0761 7072 1638 Email: vvps@bvvp.de |
| bvvp - Regionalverbände Baden-Württemberg |
Der bvvp ruft dazu auf, sich an den Protesten der Ärzteschaft im Januar zu
beteiligen!
Liebe Kolleginnen
und Kollegen!
Wir ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sehen mit großer Sorge, welche Pläne die Regierung für das Gesundheitswesen hat.
Die
Psychotherapeuten haben in den zurückliegenden Jahren einen beispiellosen Prozess der Integration in die ärztliche
Selbstverwaltung hinter sich. Dieser erstreckt sich in besonderem Maß auf die
durch das Psychotherapeutengesetz völlig veränderte Rolle der Psychologischen
Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, aber auch auf
ein in früheren Jahrzehnten ungekanntes berufspolitisches Engagement ärztlicher
Psychotherapeuten. Psychotherapeuten
sitzen jetzt in entscheidenden Gremien der KBV, sind in jeder
Vertreterversammlung und in den Ausschüssen der KVen vertreten, hier in BaWü
haben sie gemeinsam mit Haus- und Fachärzten eine Psychotherapeutin in den
Vorsitz der VV gewählt. Die Beratenden Fachausschüsse der Psychotherapeuten
waren Vorreiter der hausärztlichen und fachärztlichen Fachausschüsse. Auch wenn
der Integrationsprozess der Psychotherapeuten und der Psychotherapie leider
noch nicht überall so weit gediehen ist, wie wir uns das wünschen, sind wir aus
der Selbstverwaltung nicht mehr wegzudenken.
Aber
diese Erfolge könnten sich als trügerisch erweisen: Alle Pläne der letzten und
der jetzigen Regierung laufen nämlich darauf hinaus, genau diese
Selbstverwaltung, in der wir unseren Platz mühsam erkämpft haben, immer weiter
zu schwächen und statt dessen staatliche Vorgaben an ihre Stelle zu setzen.
Spätestens
unter diesen Umständen muss eindringlich darauf hingewiesen werden, dass
Integration keine Einbahnstraße sein kann und darf!
Deshalb
müssen auch wir ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder-
und Jugendlichen-Psychotherapeuten uns
mit den Problemen der Arbeitsrealität
der somatisch tätigen Ärzte befassen, und solidarisch unerträgliche Belastungen
zurückweisen.
Wo
unseren Kollegen heute immer detaillierter vorgeschrieben werden soll, welche
Medikamente sie wann und wie verordnen dürfen und wenn sie künftig im Falle von
Budget-Überschreitungen persönlich den Kopf hinhalten sollen - wie es das vorgesehene
Bonus/Malus-Gesetz vorsieht - ist für
morgen oder übermorgen mit Eingriffen in die Gestaltung einer Psychotherapie zu
rechnen. Durch die jetzt vorliegenden Gesetzentwürfe sind die Fachärzte für
Psychotherapeutische Medizin sowie andere psychotherapeutisch tätige Ärzte
bereits mitbetroffen.
Die gegenwärtige Höhe der durchschnittlichen
Einnahmen für die Ärzte in Baden-Württemberg
sollte nicht der Grund dafür sein, dass nun protestiert wird. Im
Gegensatz zu vielen anderen Berufsgruppen hatten die Ärzte und
Psychotherapeuten in BaWü im
Durchschnitt keine Verluste gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Dies aber auf
dem Hintergrund eines EBM, bei dem die Kosten für eine Praxis mit 5,11 Cent
kalkuliert waren, jedoch bis heute nicht gezahlt werden. Auf diese Weise werden
Praxiskosten durch das persönliche Einkommen des Arztes subventioniert.
Was
weitaus gravierender ist: Seit Jahren gibt es Mengenbegrenzungen und damit
einhergehende Abstaffelungen für die Vergütung tatsächlich erbrachter
Leistungen. Viele Psychotherapeuten machen neuerdings zum ersten Mal die
schmerzliche Erfahrung, wie es ist, Leistungen zu erbringen, von denen man von
vorne herein weiß, dass sie nicht bezahlt werden. Unsere haus- und fachärztlich
tätigen Kollegen kennen das seit Jahren und sind deshalb mit Recht verbittert.
Sie werden vertröstet und Quartal für Quartal hingehalten. Wir alle halten
unsere Arbeitskraft und persönliches Engagement vor, um eine gute Qualität und
überschaubare Wartezeiten in unserem Gesundheitssystem zu garantieren. Wir
können nur unterstreichen, was der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Hoppe
beim Aktionstag am 14.12.05 in Stuttgart sagte: Es muss Schluss sein damit,
dass unsere unbezahlte Arbeit als feste Größe von der Politik einkalkuliert
wird!
Die
von der Regierung ins Auge gefasste staatlich verordnete Gebührenordnung wird
an dieser Lage nichts verbessern. Solange es die Selbstverwaltung gibt, hat
diese die Möglichkeit, Härten für einzelne Arztgruppen auszugleichen. Von einer staatlichen Gebührenordnung ist - neben
weiteren Mengenbegrenzungen und damit indirekter Rationierung - zu erwarten,
dass sie alle bereits bestehenden Ungerechtigkeiten festschreibt. Auch das
können wir nicht wollen.
Lassen
Sie uns solidarisch mit allen anderen Fachgruppen unserem Protest Ausdruck
verleihen. Kämpfen wir gegen eine weitere Aushöhlung der bereits angeschlagenen Selbstverwaltung!
Setzen
wir uns ein für eine medizinisch und psychotherapeutisch angemessene Behandlung
der Patienten durch Ärzte und Psychotherapeuten, die sich ihrer Verantwortung
gegenüber dem Patienten und der Gesellschaft bewusst sind.
Verleihen
Sie Ihrem Protest so Ausdruck, wie Sie es Ihren Patienten gegenüber
verantworten können! Viele Ärzte schließen ihre Praxen, viele werden am
Freitag, den 20. Januar nach Sindelfingen kommen. Lassen Sie uns als
Psychotherapeuten auch hier unseren Platz einnehmen!
Praxisschließungen
und Protestaktionen sind geplant:
In
Nord-Württemberg am 16.01.06
In
Nordbaden am 17.01.06
In
Südbaden am 18.01.06
In
Süd-Württemberg am 19.01.06
Für
Freitag, den 20.01.06 ist eine zentrale Veranstaltung in der Messehalle
Sindelfingen vorgesehen.
Wenn Sie Ihre Praxis schließen, sprechen Sie eine persönliche Vertretung mit einem Kollegen ab.
bvvp Regionalverbände Baden-Württmberg
| Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordbaden e.V. | Dipl.-Psych. Birgitt Lackus-Reitter | Tel.: 06221-22858 |
| Hans-Raimund Hirsch | Tel.: 0621-4816594 | |
| Verband der Vertragspsychotherapeuten Nordwürttemberg e.V. | Dr. med. Helga Ströhle | Tel.: 07323-5695 |
| Verband der Vertragspsychotherapeuten Südbaden e.V. | Dr. med. Regine Simon | Tel.: 0761-7072 153 |
| Verband der Vertragspsychotherapeuten Südwürttemberg e.V. | Dr. med. Hermann Mezger | Tel.: 07121-371388 |