Erfolg für die KBV - und nun?

Im letzten Gesundheitsreform-Gesetz (WSG) war der Selbstverwaltung von Kassen und Ärzten vorgeschrieben worden, einen neuen EBM 2008 zu erstellen, in dem die Leistungen in einem höheren Grad pauschaliert werden als bisher.

Die KBV hatte die Erstellung dieses neuen EBM mit der Forderung nach höheren Bewertungen verbunden- insbesondere um für die Regelungen vorbereitet zu sein, die in diesem gleichen Gesetz für das Jahr 2009 vorgeschrieben sind.

Die Forderungen nach höheren Punktzahlen waren zwischen Kassen und KBV strittig und landeten deswegen im Erweiterten Bewertungsausschuss, einer Art Schiedsgericht für strittige Fragen der Selbstverwaltung auf Bundesebene.

Erstmals konnte erreicht werden, dass die beiden Psychotherapeuten, Dieter Best und Jürgen Doebert, die bereits im Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses Mitglieder sind, in ihrer Funktion als Stellvertreter abwechselnd an den Sitzungen des Bewertungsausschusses und des erweiterten Bewertungsausschusses teilnehmen konnten.

Die KBV konnte im Erweiterten Bewertungsausschuss erreichen, dass der kalkulatorische Arztlohn um ca 10.000 Euro ansteigt. Und dass die Mehrwertsteuererhöhung um 3% auf 19% auch bei der Kalkulation der ärztlichen und psychotherapeutischen Kostenstrukturen berücksichtigt wird.

Ebenso wurde erreicht, dass die Ergebnisse der Kostenstudie für die „Psych.-Fächer“ in die Kostenkalkulation der sog. Praxisbetriebsmodelle übernommen wurden. Für den Bereich Psychotherapie ergibt dies eine Erhöhung der kalkulatorischen Betriebskosten im EBM von 25.000€ auf 35.000 €.

Nicht erreicht wurde über alle Fachgruppen, dass die Produktivität gesenkt wurde und auch nicht, dass die Kosten für zusätzliches Personal eingestellt wurden. Für Psychotherapeuten heißt dies, dass die Umrechung der in der Kostenstudie erhobenen sog. delegierbaren Tätigkeiten, also der vom Praxisinhaber selbst ausgeführten Helferinnen-Tätigkeiten, von den Krankenkassen und dem unparteiischen Schiedsmann, Prof. Wasem, nicht akzeptiert wurden. Es wären zusätzliche 2.500 € kalkulatorische Kosten gewesen, die zu den bereits konsentierten Betriebskosten dazugekommen wären.

Trotzdem kann sich das Ergebnis für die psychotherapeutischen Leistungen sehen lassen. Die 50-minütige Einzeltherapiesitzung hat damit in Zukunft

1755 Punkte!

Aber bekommen wir deshalb mehr Geld?

Bundesregierung und Krankenkassen verkünden unisono, dass die über alle Arztgruppen erfolgten Punktzahlerhöhungen sich im Jahr 2008 weder in höheren Kosten im Gesundheitswesen noch in einer Einschränkung der Versorgung niederschlagen sollen. Sprich: der Punktwert muß gesenkt werden. Also: ein Nullsummenspiel. Ob doch etwas von der gewonnenen Punktzahl bei Ärzten und Psychotherapeuten hängen bleibt, wird sich zeigen.

Im Jahr 2009 soll es mehr Geld bei den Krankenkassen geben, u.a. durch staatliche Unterstützung. Davon wird dann auch etwas in der ambulanten Versorgung landen. Angesichts eines im Gesetz vorgeschriebenen einheitlichen Orientierungspunktwertes über alle Arztgruppen incl. Psychotherapeuten sind die jetzt erreichten Punktzahlerhöhungen also vor allem ein Versuch, die Honorare allein durch ihre Punktzahlbewertung im EBM gerecht zwischen den Arztgruppen zu verteilen, da dies ab 2009 nicht mehr über unterschiedliche Punktwerte zu leisten ist.

Es kann schon jetzt gesagt werden, dass die erreichte Punktzahl für die genehmigungspflichtige Psychotherapie für das Jahr 2009 garantiert nicht ausreicht, um allein damit die im Gesetz vorgeschriebene angemessene Vergütung zu erreichen.

Die Arbeit für den bvvp geht nicht aus! Denn nun wird es darum gehen, über den Bewertungsausschuss Regelungen zu finden, um die entstandene Lücke zu schließen.

Über weitere kleinteilige Veränderungen im EBM wird berichtet, sobald die Veränderungen in einer amtlichen Version vorliegen.

Jürgen Doebert, bvvp