Sehr geehrter Herr Laschet,

Ich reagiere auf Ihren Artikel in der Ärztezeitung vom 3.7.08 zur Psychotherapie. Eines vorweg: ich werde keineswegs versuchen, Ihnen klar zu machen, daß Psychotherapie wirksam ist. Das tue ich deshalb nicht, weil es Ihre Aufgabe war und ist, dies in einer Recherche herauszufinden und entsprechend in Ihren Text einzuarbeiten. Der Verlag, in dem Ihre Zeitung erscheint, gibt zahlreiche Fachzeitschriften heraus, in denen man das mühelos nachlesen kann. Eine Reihe meiner Kollegen haben auf Ihren Artikel reagiert, mit einer Haltung des Ernstnehmens, des Betroffenseins und der Empathie. So sind Psychotherapeuten eben, sie reagieren auch auf schwierige Mitmenschen wohlwollend und ernsthaft.

Ich möchte Ihnen sagen, daß ich Ihren Artikel als Frechheit empfinde. Sie mögen einwenden, daß so nur reagiert, wer sich getroffen fühlt. Da hätten Sie recht. Ich bin getroffen. Mit annähernd 25 Berufsjahren muß ich mir aber nicht mehr klaglos jeden Mist gefallen lassen, der über meinen Berufstand verbreitet wird.

Sie skizzieren ein Bild meiner Tätigkeit, in dem ich eine wirkungslose und offenbar überbezahlte Arbeit mit Patienten verrichte und damit die Krankenkassen belaste. Ein Argument haben Sie dabei vergessen: eigentlich sitzen wir Therapeuten ja nur herum und reden so ein bißchen mit Patienten, locker verdientes Geld also, und dann verpulvern wir die Knete der Beitragszahler abends in den Metropolen (dort siedeln wir uns bevorzugt an, damit wir es nicht so weit zum Vergnügen haben). Sie wissen natürlich genau, daß Sie mit Ihrer oberflächlichen Polemik Wasser auf die Mühlen derjenigen Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenkassen schütten, denen die Psychotherapie ohnehin ein Dorn im Auge ist. Möglicherweise ist das ja auch so von Ihnen intendiert.

Wie aber, Herr Laschet, begründen Sie innerhalb Ihrer Logik, daß die Inzidenzraten von Autoimmunerkrankungen und auch von Krebs trotz der medizinischen Fortschritte ansteigen? Und was sagen Sie dazu, daß ambulant und stationär 20-40% der Medikamente, die an Patienten gegeben werden, nicht ausreichend getestet sind bzw. innerhalb zweifelhafter Studien z.B. in China und Indien? Und da gäbe es noch zahlreiche weitere methodische Fragen zum Nachweis der Wirksamkeit körpermedizinischer Vorgehensweisen.

Vielleicht darf ich Sie ja zum Austausch weiterer Argumente einmal zu einer meiner wöchentlichen Prosecco-Parties nach Mannheim einladen. Ich bin abends nach der Arbeit einfach sehr entspannt und vergnügungsorientiert (glauben Sie den Studien über Burnout bei Psychotherapeuten nicht!) und irgendwo muß die KV-Kohle ja hin (oder soll ich mir noch einen zweiten Porsche kaufen?).

Mit durchaus freundlichen Grüßen aus Mannheim

Ihr Lothar Eder

Lothar Eder, Diplom-Psychologe
Praxis für lösungsorientierte Therapie und Beratung
Augartenstr. 68 D-68165 Mannheim Tel. 0621-798977
www.systema-institut.de