Erfreuliche Entwicklung für die Psychotherapiehonorare

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Am 23. Oktober hat der Erweiterte Bewertungsausschuss Korrekturen an den bisherigen Beschlüssen vom 27./28. August. vorgenommen. Damit sind alle relevanten Beschlüsse zur Vergütungsreform, die am 1. Januar in Kraft treten, gefasst. An den Sitzungen  waren Jürgen Doebert und Dieter Best auf KBV-Seite im Wechsel beteiligt.

Die Korrekturen bei der Verteilung der Gesamtsumme von ca 2,5 Milliarden zusätzlichen Honorars durch eine Neuberechnung des Leistungsbedarfs waren notwendig, weil einige KVen (Baden-Württemberg, Nordrhein, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz) durch die bisherigen Berechnungen benachteiligt waren.  Außerdem musste der Orientierungspunktwert (OPW) gesenkt werden, weil die Grundlohnsummensteigerung (als eine Grundlage zur Bestimmung des OPW) niedriger ausfiel als ursprünglich vom BMG mitgeteilt worden war. Dieser Wert geht in die Berechnung des OPW ein. Der neue Wert beträgt nun 3,5001 Cent.  Er gilt bundesweit einheitlich für alle Leistungen des EBM.  

Es stand aber auch die Festlegung von Steigerungsfaktoren für verschiedene einzelne Leistungen, wie z.B., für den Notfalldienst an.

Außerdem  wurde eine Korrektur des Faktors vorgenommen, mit dem die EBM-Bewertungen der Leistungen der Psychotherapie (EBM-Kapitel 35.2) angehoben werden. In der Sitzung des Erweiterten Bewertungsausschusses vom Ende August war das ursprünglich vom Vorsitzenden des Erweiterten Bewertungsausschusses, Prof. Wasem, verfolgte Ziel, zusätzlich 160 Mio. € für die Erhöhung der Vergütung je Sitzung zur Verfügung zu stellen, nicht umgesetzt worden. Dieser Effekt war dadurch eingetreten, dass die ursprünglich außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) angesiedelten 35.2.-Leistungen in die MGV einbezogen wurden. In die Erhöhung des Honorars flossen dadurch nach dem bisherigen Beschluss bundesweit nur ca. 100 Mio., der Rest sollte für die Entwicklung der Leistungsmenge zur Verfügung stehen. Dies allerdings war nicht die Absicht, weil so das Ziel „mindestens Vergütungsniveau Westfalen-Lippe 2008“ nicht erreicht worden war. Zum Hintergrund: Die Psychotherapeuten in Westfalen-Lippe hatten 2008 das höchste Psychotherapie-Honorar.

Gleichwohl war das Ergebnis von ca. 79,50 € je Sitzung Einzeltherapie mit großer Zufriedenheit aufgenommen worden, weil das Honorar bundeseinheitlich gilt und weil auch statt Regelleistungsvolumina ein flexibles Zeitsteuerungsmodell gilt.

In der Zwischenzeit haben sich die KBV und die beiden Vertreter der Psychotherapeuten intensiv dafür eingesetzt, dass wenigstens ein Kompromiss erzielt werden konnte, der das Verhältnis  von 100 Mio. Preisanteil  und 60 Mio. Mengenteil zu Gunsten des Preises verändert. Der Faktor wurde nun von vorher 1,2923 auf jetzt 1,3196 angepasst. Darin enthalten ist auch der Ausgleich, der nötig war, weil der OPW abgesenkt wurde. Das Honorar errechnet sich daraus folgendermaßen (am Beispiel der Einzelsitzung zu je 50 Min.):

  • 1.755 Punkte x 1,3196 = 2.320 Punkte (aufgerundet)
  • 2.320 Punkte x 0,035001 € (OPW) = 81 €

Dies entspricht bei bundesweiter Betrachtung einem Honorarvolumen von ca. 120 Mio., das zusätzlich in den „Preis“ fließt, die weiteren 40 Mio. € sind für die Steigerung der Menge durch Leistungsausweitung

Es gibt eine ganze Reihe noch ungelöster Fragen. Deshalb wird die KBV mit einer  verbindlichen Richtlinie für die KVen Vorgaben für die Umsetzung entwickeln und die Vertreter der Psychotherapeuten in den KVen werden sich dafür einsetzen, dass bei der Unklarheiten in der Umsetzung sachgerechte Lösungen entwickelt werden.

Jürgen Doebert