Honorarverhandlungen für 2010 –
Beschlüsse des Erweiterten Bewertungsausschusses  vom 2.9.2009

Bericht: Jürgen Doebert und Dieter Best

Insgesamt ist es der KBV nach langwierigen Verhandlungen gelungen, eine weitere Steigerung der Honorare  für die ambulante ärztliche und psychotherapeutische Versorgung zu erreichen. Dies war nicht unbedingt selbstverständlich, da die Vorhersagen über die Einkommensentwicklung und die damit zusammenhängenden Beiträge zur Krankenversicherung für 2010 insgesamt skeptisch und düster sind.
Dennoch musste die gesetzliche Regelung ungesetzt werden, nach der nun die Morbidität der Bevölkerung als entscheidender Faktor für die zu erbringende und zu honorierende Leistungsmenge gilt. Die für 2010 vorherzusehende Morbidität hat somit auch zu einer Steigerung der Honorarmenge geführt.

Die in den Medien kolportierte Größenordnung von rund 1,2 Milliarden € mehr ist allerdings zu relativieren. Hier handelt es sich um eine Schätzung, in die auch alle Leistungen einfließen, die außerhalb der morbiditätsgebundenen Gesamtvergütung direkt von den Kassen bezahlt werden, wenn sie erbracht werden. Die wirklich neuen Geldmittel, die in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung fließen, aus der auch die Psychotherapie finanziert wird, und die von den KVen  verteilt werden, beziffern sich auf 458 Millionen €.

Für die Psychotherapeuten bedeutet das Ergebnis der Verhandlungen:

  1. Es werden zusätzlich bundesweit 40 Mio € für die psychotherapeutische Versorgung zur Verfügung gestellt. Das sind ca. 10% des zusätzlichen Honorars in der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung. Diese 40 Mio sind zweckgebunden für die genehmigungspflichtigen Leistungen der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten, die sich wegen der  neu eingeführten 20%-Quote  niederlassen können, für den Zusatzbedarf wegen der Möglichkeit der Teilung von Versorgungsaufträgen sowie für die zusätzlichen Zulassungen aufgrund der (nun auf 25% abgesenkten)  Quote für ärztliche Psychotherapeuten. Dieses Ergebnis ist sehr erfreulich. Es entschärft den Verteilungskampf innerhalb der KVen erheblich.

  2. Durch eine minimale Erhöhung des Orientierungspunktwertes auf 3,5048 Cent ergibt sich eine ebenso minimale Anhebung des Honorars pro Sitzung .Bei der genehmigungspflichtigen Einzelsitzung sind das ca. 11 Cent.

  3. Für das Jahr 2010 gibt es – wie für alle Ärzte – keine Zu- oder Abschläge aufgrund von Über- oder Unterversorgung. Für das Jahr 2011 sind jedoch bereits detaillierte Regelungen getroffen, die sowohl für die Ärzte als auch für uns Psychotherapeuten in dieser Form nicht akzeptabel sind. Diese Regelungen werden aber relativiert durch die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die u.a. prüfen soll, ob aufgrund der rechtlichen Voraussetzungen die genehmigungspflichtigen Leistungen überhaupt in diese Regelungen einbezogen werden dürfen und inwieweit Abschläge bei Überversorgung nicht die gerade geförderten zusätzlichen KJP-Sitze ad absurdum führt. Außerdem hoffen wir, dass diese Regelungen die nächsten Gesundheitsreformschritte nicht überleben werden.

Noch nicht beschlossen wurde zu möglichen Mengenbegrenzungsmaßnahmen für die nicht den Regelleistungsvolumen unterliegenden Leistungen. Wie die ersten Abrechnungsergebnisse zeigen, gab es in einigen Bereichen (nicht bei der Psychotherapie) massive Mengenausweitungen, die begrenzende Maßnahmen notwendig machen. Diese werden vermutlich erst ab dem 2. Quartal 2010 eingeführt. Für uns Psychotherapeuten besteht grundsätzlich die Gefahr, dass unberechtigterweise die nicht- genehmigungspflichtigen Leistungen in diese Systematik eingeordnet werden. Wir haben hier aber noch Zeit, weil die Abrechnungsergebnisse des 1. Halbjahres 2009 abgewartet werden sollen. Außerdem hilft uns ein Satz in den Beschlüssen, wonach die Mengenentwicklung in der Psychotherapie genau beobachtet werden soll. Wir sind sicher, dass die Zahlen uns Recht geben werden, dass es bei den Psychotherapeuten keine Entwicklungen gegeben hat, die nicht gewollt beabsichtigt waren (z.B. mehr probatorische Sitzungen).

Unser Fazit ist: Das Ergebnis ist insgesamt als gut zu bewerten, weil

  • es den erreichten Stand beim Honorar pro Sitzung erst einmal sichert,
  • den Streit um unser Geld in den KVen durch die zusätzlichen Mittel entschärft,
  • bei den Abschlägen bei Überversorgung erst einmal nichts Konkretes beschlossen wurde und die Frage im Raum steht, ob die Psychotherapeuten überhaupt einbezogen werden dürfen. 
  • Der Legendenbildung vorgebeugt wird, indem mehr Transparenz über das Leistungsgehen in der Psychotherapie verlangt  wird.

Die Beschlüsse werden demnächst im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

4.9.2009   Dieter Best und Jürgen Doebert