Staatssekretärin Widmann-Mauz besucht Praxis für Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie

In ihrer Heimatstadt Balingen besuchte Frau Widmann-Mauz eine Psychotherapeutische Praxis, in der überwiegend Kinder und Jugendliche behandelt werden. Frau Weinmann-Mayer und Herr Dr. Mayer zeigen zu Beginn des Gesprächs die Räumlichkeiten der Praxis, in dem neben Räumen  für Gespräche mit Erwachsenen und einem Sekretariat ein Spielzimmer, ein Raum für Bewegungs- und Kraft-Spiele sowie im Untergeschoß  auch noch ein Raum für Wasser- und Matsch- Betätigungen der Kinder sowie ein Werkraum  vorhanden sind- also eine sehr gut ausgestattete Praxis. Frau Widmann-Mauz zeigte sich beeindruckt von dem Aufwand, der schon allein räumlich für die Behandlung von Kindern vorgehalten werden muss. Frau Weinmann-Mayer, die als Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin vorwiegend ihre Arbeitszeit Kindern und Jugendlichen widmet, erläuterte, wie aufwändig insgesamt die Arbeit mit Kindern im Unterschied zur Erwachsenentherapie ist: vielfältige Kontakte mit Eltern, Kindergarten, Jugendamt, Schule, Jugendhilfeeinrichtungen, usw. Außerdem kommt es oft unvorhersehbar wegen Krankheit, Schulausflügen, Unterrichtsverlegungen usw. zu einer Vielzahl von Absagen.

Im Gespräch danach forderte Frau Widmann- Mauz daher die berufspolitischen Vertreter auf, sich im Bewertungsausschuss für eine gesonderte Bewertung der Leistungen der KJP einzusetzen. Als Teil der Regierung habe sie darauf keinen Einfluss. Einer der Adressaten dieser Botschaft war auch anwesend. Dipl.Psych. Jürgen Doebert war aus Reutlingen herüber gekommen, da sich auf diese Weise ein lange vereinbartes Gespräch bewerkstelligen ließ.
Auch bei Detailfragen zur Bedarfsplanung verwies Frau Widmann-Mauz auf die neuen Chancen für die Selbstverwaltung durch das neue GKV-Versorgungsstrukturgesetz. Dort böten sich viele Möglichkeiten für den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Versorgung für psychisch Kranke insgesamt zu verbessern.  Doebert wies sie auf die Problematik hin, dass jedoch in dem Gesetz keinerlei Vorgaben gemacht werden, wie der steigende Leistungsbedarf, der auch durch neue Psychotherapeuten zustande kommt, finanziert werden soll, nachdem eine extrabudgetäre Vergütung psychotherapeutischer Leistungen nicht im Gesetz steht. Frau Widmann-Mauz verwies hier klar auf die Verantwortung der KVen: sie haben die gesetzliche Verpflichtung, die Honorare sachgerecht auch zwischen den Arztgruppen zu verteilen. Außerdem sind nach dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz die Kassenärztlichen Vereinigungen verpflichtet, Regelungen zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen der Psychotherapeuten zu treffen, die eine angemessene Höhe der Vergütung je Zeiteinheit gewährleisten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat dazu Vorgaben zu machen. Lösungen, bei denen die Psychotherapeuten allein die zunehmende Mobititätslast im Bereich von psychotherapeutischen Erkrankungen tragen müssten, erteilte sie eine klare Absage. Im Übrigen erhöhen morbiditätsbedingte medizinisch notwendige Mehrleistungen den Behandlungsbedarf in der Folgeperiode und damit die Gesamtvergütung.

Viele Möglichkeiten, noch mehr und effizienter im Gesundheitswesen Fuß zu fassen, sah die Staatssekretärin im Zuge der neuen Präventionsstrategie. Frau Weinmann-Mayer betonte dabei den präventiven Charakter jeder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie, der zwar der Kasse direkt kein Geld spare, wohl aber als gesamtgesellschaftlicher Nutzen sehr wohl zu buche schlage. Frau Widmann-Mauz wies in diesem Zusammenhang auf die hohe Notwendigkeit der Versorgungsforschung hin, wohl wissend, dass Forschungsgelder für Pharma-Produkte leichter zu bekommen sind als für die Beforschung von Psychotherapie.

Ein weiteres geplantes Gesetz der gegenwärtigen Regierung liegt der Staatssekretärin sehr am Herzen, bei dem sie auch die Psychotherapeuten betroffen und beteiligt sieht: Das Patientenrechtegesetz. Insbesondere im Hinblick auf Selektivvertäge, in denen sich für die Patienten nicht erkennbare Interessen der Ärzte und Psychotherapeuten, z.B. bei Bonuszahlungen für die Verordnung oder Nichtverordnung bestimmter Medikamente oder bei schnellerem Gesundschreiben auf die Behandlung auswirken. Doebert steuerte dazu die seiner Meinung nach an Haustürgeschäfte erinnernden Regelungen des neuen PNP-Vertrags der AOK-Baden-Württemberg bei, bei denen die Patienten bei einer sog. Ad-Hoc-Einschreibung nur auf die Vorteile hingewiesen werden, aber nicht wissen, auf welche Leistungen sie verzichten und welche Sanktionen auf sie zukommen, wenn sie sich nicht an den Vertrag halten. Das Bundesministerium für Gesundheit werde dazu Vorschläge machen, die auch bei der Einschreibung in Selektivverträge für die Patienten und Versicherten ein entsprechend hohes Schutzniveau bieten, ohne eine einstündige Rechtsberatung durch den Arzt vor Abschluss des Vertrages mit dem Patienten vorzusehen.

Nach dem fast zweistündigen Besuch verabschiedete sich Frau Widmann-Mauz und betonte ihre Zufriedenheit damit, dass auf diese Weise ein konstruktiver und intensiver Austausch habe stattfinden können.

13. Januar 2012

Jürgen Doebert