QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen

Informationsveranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zum Qualitätsmanagementsystem

Am 30.11.2004 hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung ärztliche und psychotherapeutische Berufsverbände zu einer Informationsveranstaltung nach Berlin eingeladen, um über den aktuellen Stand eines von der KBV mit entwickelten Qualitätsmanagementsystem für den ambulanten Bereich zu berichten und Kooperationsmöglichkeiten hinsichtlich fachspezifischer Qualitätsziele und Durchführung von Fortbildungsangeboten und Einführungsseminaren zu diskutieren. Der Einladung waren etwa 40 Vertreterinnen und Vertreter ärztlicher und psychotherapeutischer Berufsverbände gefolgt, darunter sieben Vertreterinnen und Vertreter psychotherapeutischer und kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischer Berufsverbände.

Hintergrund ist die seit dem 1.1.2004 bestehende gesetzliche „Verpflichtung zur Qualitätssicherung“ (SGB V § 135 a), wonach Vertragsärzte und damit auch Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verpflichtet sind, „einrichtungsintern ein Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln.“ Und in SGB V § 136 heißt es“(1) Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben Maßnahmen zur Förderung der Qualität der vertragsärztlichen Versorgung durchzuführen.“ Eine dritte gesetzliche Vorgabe (SGB V § 136 a) besteht darin, dass der Gemeinsame Bundesausschuss durch Richtlinien bestimmt: “1. die verpflichtenden Maßnahmen der Qualitätssicherung ... sowie die grundsätzlichen Anforderungen an ein einrichtungsinternes Qualitätsmanagement.

„Qualitätsmanagement ist (nach Crosby 1979) ein systematischer Weg sicherzustellen, dass Aktivitäten so statt finden, wie sie geplant sind… Es geht darum, Probleme von Anfang an zu vermeiden, in dem man die Einstellung und die Methoden etabliert, die eine Vermeidung möglich machen.“

Nach einer Einführung durch Herrn Dr. Bernhard Gibis (KBV) zu Hintergrund und Nutzen von Qualitätsmanagement, der Bezug nehmend auf diese Definition von Crosby Qualitätsmanagement auch einen Mehrwert für die durchführende Praxis annimmt,  erfolgte ein Austausch zu den Aktivitäten der Berufsverbände zum Thema Qualitätsmanagement (QM). Der Entwicklungsstand hinsichtlich einrichtungsinternen Qualitätsmanagements war durchaus breit gestreut. Während einige ärztliche Berufsgruppen z.T. schon seit 10 Jahren Qualitätsmanagement bis hin zur Zertifizierung (überwiegend nach ISO 9000) betreiben, haben andere erst damit begonnen oder wollen demnächst damit beginnen. Die Vertreterinnen und Vertreter der psychotherapeutischen und kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischen Berufsverbände (Frau Scharfenstein, Vereinigung; Frau Schäfer, VPP; Frau Springer, DGPT; Frau Höhfeld und Frau Simon, VAKJP; Herr Schmid, DPTV; Frau Schneider-Reinsch, BVVP und Karl H. Seipel, VHVP) wiesen übereinstimmend auf die strukturellen Besonderheiten psychotherapeutischer und kinder- und jugendlichenpsychotherapeutischer Praxen und deren Berücksichtigung bei der Umsetzung von QM hin. Ein systematisch angewandtes Qualitätsmanagement wurde aus diesem Bereich bisher nur vereinzelt berichtet.

Anschließend stellte Frau Dr. Franziska Diel (KBV) den aktuellen Stand zu QEP vor.

Im Rahmen dieses Beitrages kann selbstverständlich nur auf einige Aspekte dieses von den Kassenärztlichen Vereinigungen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten, QM-Experten, Berufsverbänden und Arzthelferinnen entwickelte umfassende Qualitätsmanagementsystem eingegangen werden. Ausführliche Informationen dazu finden sich im Internet unter www.kbv.de/qm

Im Rahmen einer Pilotphase mit 60 Praxen aller Fachrichtungen, an der auch mehrere psychotherapeutische Praxen beteiligt waren, wurde das Konzept auf seine Praxistauglichkeit getestet und extern evaluiert.

Bei QEP handelt es sich um ein indikatorbasiertes, handbuchgestütztes System, welches modular aufgebaut ist und stufenweise umgesetzt werden kann. Das bedeutet, dass es den individuellen Besonderheiten bestimmter Praxisstrukturen flexibel angepasst werden kann.

Damit soll relativ einfach und erfolgreich ein praxisinternes Qualitätsmanagement eingeführt und weiterentwickelt werden können, wie es nach den gesetzlichen Vorgaben (SGB V § 135 a) vorgesehen ist. Eine Zertifizierung ist gegenwärtig noch nicht vorgeschrieben, bei Wunsch mit QEP aber möglich. QEP soll dazu führen, alle relevanten und fehleranfälligen Vorgänge in der Praxis zu identifizieren, zu strukturieren und kontinuierlich zu verbessern.

QEP soll verstanden werden als Unterstützung und Serviceangebot der KVen an Ärzte, Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.

Frau Dr. Diel berichtete über die bisherigen Phasen und den aktuellen Stand und die kommenden Implementierungsphasen. Nach einer Konzeptphase, die als Ergebnis einen Qualitätszielkatalog („das Herzstück des QEP-Verfahrens“) erbrachte, der in der Pilotphase weitgehend bestätigt wurde, sollen nun auf dem Hintergrund der Auswertungen aus der Befragung der Pilotpraxen und anderer Rückmeldungen, u.a. auch der der Berufsverbände, eine weitere Überarbeitung der QEP-Bausteine erfolgen.

In einer sog. Befähigungsphase werden Praxisinhaber und Mitarbeiter informiert und geschult um sich mit den Prinzipien von QM vertraut zu machen.

In der dann folgenden Umsetzungsphase wird QM in die Praxis mit Hilfe eines QEP-Manuals eingeführt, überprüft und weiterentwickelt. Die Teilnahme an einem QEP-Einführungskurs im Umfang von etwa 12 Stunden (1 ½ Tage) und der Erwerb eines Qualitätszielkataloges je Praxis werden als Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung von QEP gesehen. Als Kosten für das Einführungsseminar werden ca. 200 Euro, für den Qualitätszielkatalog ca. 30 Euro veranschlagt. Der Qualitätszielkatalog soll dabei „wie ein Kompass durch die QM-Landschaft führen“. Hilfestellung und Beratung soll es dabei über eine „Hotline“ der KVen geben.

Mit der Einführung von QM nach QEP soll bereits Anfang 2005 begonnen werden. Trainer zur Schulung sowie Visitoren zur Zertifizierung werden bereits akkreditiert. Sie müssen u.a. entsprechende Kenntnisse auf dem Gebiet QM nachweisen, Erfahrungen mit der Umsetzung bei QM haben und mehrtägige Schulungen besuchen. Mit der Zertifizierung der ersten Praxen wird Ende 2005 gerechnet. Über eine Selbstbewertung mit anschließender Fremdbewertung durch Visitoren kann die Zertifizierungsfähigkeit erreicht und bei Erfüllen der Kernziele aus dem Kernzielkatalog ein Zertifikat erworben werden. Die Kosten dafür sollen sich je nach Praxisgröße auf ca. 1200-1800 Euro belaufen. Es sei hier noch mal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Zertifizierung gesetzlich noch nicht vorgeschrieben ist.

Mit den Vertreterinnen und Vertretern der Berufsverbände wurden auch Kooperationsmöglichkeiten erörtert. Die Berufsverbände werden dabei als Partner bei der Umsetzung gesehen. Sie sollen bei der Erarbeitung und Implementierung fachspezifischer Module helfen und mit Mustern für interne Regelungen, Muster-Dokumenten sowie mit praxisspezifische Erläuterungen und Beispielen für fachspezifische Qualitätsziele und Nachweise behilflich sein und flankierende Seminare anbieten.

Abschließende Bemerkungen: Dem Anspruch der beiden Referenten, „dass Qualitätsmanagement nicht zu einem Selbstzweck werden darf, der weitere bürokratische Hindernisse schafft und keinen Mehrwert für die Arztpraxis darstellt“ (Deutsches Ärzteblatt, Jg. 101, Heft 10, März 2004) kann nur zugestimmt werden. Qualitätsmanagement muss insbesondere auch die strukturellen Besonderheiten der betreffenden Praxen berücksichtigen, gut handhabbar, leicht verständlich und vor allem auch finanzierbar sein. Diesem Anspruch soll mit dem vorgestellten modularen Qualitätsmanagementsystem Rechnung getragen werden. Kosten, Nutzen und Zufriedenheit aller Beteiligten und damit insbesondere auch der Patienten, müssen dabei in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Der auf der Veranstaltung viel zitierte, erhoffte „Mehrwert“ darf langfristig nicht zu einer Mehrarbeit führen.

Karl H. Seipel


 bvvp