Qualitätssicherung in der Psychotherapie

von Norbert Bowe, bvvp, 10.5.99

Der bvvp begrüßt und unterstützt alle Anstrengungen, die zur Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung psychotherapeutischer Behandlungen in der psychotherapeutischen Versorgung beitragen. Für die Qualitätsentwicklung sind dabei folgende Gesichtspunkte von Bedeutung:

1. Grundvoraussetzung für die Aufrechterhaltung einer Mindestqualität psychotherapeutischer Behandlung ist eine hinreichende Honorierung der psychotherapeutischen Leistung. Bereits in den zurückliegenden Jahren hat die wirtschaftlich bedrohliche Situation der Vertragspsychotherapeuten zu erheblichen Qualitätseinbußen geführt durch Mehrbelastung mit Behandlungsstunden, Einschränkungen bei Fortbildung, Supervision und durch belastungsbedingte Versorgungseinschränkungen. Vor der Einführung weiterer Qualitätssicherungsmaßnahmen ist sicherzustellen, daß Psychotherapeuten unter Praxisbedingungen arbeiten können, die ein professionelles Arbeiten ohne permanente wirtschaftliche Bedrohung erlauben und die eigene Qualitätssicherungsbemühungen wie Supervision, Fortbildung, Teilnahme an wissenschaftlichen Untersuchungen, nicht verhindern.

2. Die Psychotherapie-Richtlinien enthalten die Ankündigung der Einführung von Qualitätssicherungsmaßnahmen zum 01.01.2000. Die Durchführung zusätzlicher Qualitätssicherungsmaßnahmen unter fortdauernd mangelhafter Honorierung und defizitären Praxisbedingungen muß sich als weitere Zusatzbelastung auswirken, die nicht zur Qualitätsverbesserung sondern zur weiteren Qualitätsverschlechterung führen.

3. Qualitätssicherungsmaßnahmen müssen auf die besonderen Belange der niedergelassenen Praxis ausgerichtet sein. Zeitlicher Aufwand, Nutzen hinsichtlich der Qualitätsentwicklung und Honorierung des zusätzlichen Arbeitsaufwandes müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen.

4. Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirksamkeit von internen Qualitätssicherungsmaßnahmen, während externe Qualitätssicherungsmaßnahmen sowohl zu Beeinträchtigungen des Therapieprozesses als auch zu Verfälschungen der Datenerhebung führen können. Von daher ist internen Qualitätssicherungsmaßnahmen der absolute Vorrang zu geben.

5. Qualitätssicherungsmaßnahmen müssen so ausgelegt sein, daß sie die Psychotherapeuten/Patienten-Beziehung und den psychotherapeutischen Behandlungsprozeß nicht beeinträchtigen.

6. Qualitätssicherungsmaßnahmen müssen im Bereich der Psychotherapie den erhöhten Anforderungen an den Umgang mit erhobenen Befunden und Daten gerecht werden, die die besondere Schutzwürdigkeit der oft intimen Mitteilungen berücksichtigen. Von daher sind an den Datenschutz hohe Anforderungen zu stellen.

7. Bei den Qualitätssicherungsmaßnahmen müssen methodenspezifische Konzeptualisierungen des Behandlungsprozesses und der Therapieziele entsprechend der unterschiedlichen Therapierichtungen sich abbilden können und die Unterschiede der psychosozialen Rahmenbedingungen und des Behandlungssettings von ambulanter und stationärer psychotherapeutischer Behandlung erfaßt werden können.

8. Qualitätssicherung in der Psychotherapie fand bisher schon auf einem hohen Niveau im Vergleich zu anderen medizinischen Fachgebieten statt. Nach eigenen Erhebungen benutzten 60 % der befragten Psychotherapeuten eine regelmäßige Supervision oder kollegiale Intervision zur eigenen Qualitätskontrolle. Das für die Langzeittherapien obligate Gutachterverfahren hat wesentliche qualitätssichernde Aspekte.


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