Information für Privat-Patienten

Was Sie beachten sollten, wenn Sie eine Psychotherapie brauchen

Die Hinweise für gesetzlich Versicherte gelten überwiegend auch für Sie. (Bitte lesen Sie dazu unsere bvvp-Information für gesetzlich versicherte Patienten) Es gibt allerdings - außer, daß Sie natürlich, wie bei jedem Arzt, auch von Ihrem Therapeuten eine Rechnung erhalten, die Sie selbst begleichen müssen - ein paar Besonderheiten, die Sie beachten sollten. Privatversicherungen variieren bei Psychotherapie insgesamt untereinander außerordentlich in Ihren Leistungen. Und oft unterscheiden sich auch bei einer Gesellschaft je nach gewähltem Tarif die Leistungen noch erheblich - eine weitgehend unbekannte Tatsache, die jeder der den Umstieg von gesetzlicher zu privater Versicherung plant, genauestens beachten sollte.

Nachteile bei Privatversicherungen

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen bei nachgewiesener Notwendigkeit die gesamten Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung bei einem zugelassenen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (Vertragspsychotherapeuten) bis zu einer maximalen Stundenzahl von 300 Stunden. Private Versicherungen erstatten - genau wie auch sonst auch bei ärztlicher Behandlung - die Rechnungen ärztlicher Psychotherapeuten in der Regel bis zum 2,3fachen Satz. Trotzdem können Sie bei Psychotherapie leider nicht einfach davon ausgehen, daß die Leistungen der Privaten - wie man es eigentlich erwarten sollte - in jedem Fall besser sind als die der gesetzlichen Krankenkassen.

In einigen Fällen trifft sogar eindeutig das Gegenteil zu. So gibt es Versicherungen bzw. Tarife, bei denen Psychotherapie bei allen kassenzugelassenen Psychotherapeuten - d.h. auch bei Nicht-Ärzten - zwar bis zum üblichen 2,3 fachen Satz erstattet wird, aber leider nur 25 oder 30 Stunden im Jahr. Wenn man weiß, daß es psychische Probleme und Störungen gibt, bei denen ca. 160 Stunden im Jahr über mehrere Jahre hinweg notwendig werden können, dann wird hier der Privatpatienten-Status möglicherweise recht teuer. Darüber hinaus gibt es Versicherungen oder spezielle Tarife, bei denen Ihnen für eine Behandlung bei einem Psychologischen Psychotherapeuten ungefähr ein Drittel weniger (nur ca. 1,6 facher Satz) erstattet wird als beim Arzt - was fachlich völlig unbegründet ist und manchmal unter dem Kassenhonorar liegt. Sie müssen dann als Patient auf jeden Fall die Differenz zwischen Honorar und Erstattungsbetrag selbst tragen.

Auch gibt es Versicherungen bzw. Tarife, die Behandlungen bei kassenzugelassenen Psychologischen Psychotherapeuten gar nicht miteinschließen - obwohl dies ebenfalls aus fachlichen Gründen völlig unberechtigt ist. Sie müssen dann zu einem ärztlichen Psychotherapeuten gehen Damit stehen Ihnen nur ca. 50% der qualifizierten Behandler zur Verfügung - und darunter sind dann fast keine Verhaltenstherapeuten. In unterversorgten Gebieten kann es sehr viel schwerer werden, überhaupt einen freien Therapieplatz zu finden. Aber das ist noch nicht alles: Es gibt sogar Billig-Tarife, die überhaupt keine psychotherapeutischen Leistungen - weder beim Arzt, noch beim Psychologen - einschließen! Da kann das anfängliche Sparen, wenn man eine Psychotherapie brauchen sollte, dann sehr teuer werden!

Weiter muß man feststellen, daß einige Privatversicherer bisher leider noch keinen Anlaß sehen, der vom Gesetzgeber beschlossenen Gleichstellung der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten mit den Ärzten - wie sie im ab 1.1.99 inkraft getretenen Psychotherapeutengesetz formuliert ist - auch in ihren Versicherungsbedingungen Rechnung zu tragen. Sozialrechtlich werden nämlich zukünftig keine grundsätzlichen Unterschiede mehr zwischen ärztlichen und nicht-ärztlichen Psychotherapeuten gemacht, und so sollten Sie erwarten können, daß es auch für Sie als Privatpatient weder hinsichtlich der Höhe der Erstattung, noch hinsichtlich der freien Behandlerwahl Einschränkungen gibt. Davon können Sie aber leider nicht bei jeder Versicherung und jedem Tarif ausgehen. Auch den sog. Arztvorbehalt - d.h. die nur auf ärztliche Anordnung zulässige Behandlung bei einem nicht-ärztlichen Therapeuten - hat der Gesetzgeber im Berufs- und Sozialrecht für die nicht-ärztlichen Psychotherapeuten gestrichen. So müssen Sie als Privatpatient vor Einleitung einer Therapie von Gesetzes wegen nicht mehr zwingend einen Arzt konsultieren, der die Notwendigkeit dieser Behandlung bescheinigt, sondern Sie müssen nur irgendwann im Verlaufe der therapeutischen Behandlung einen Arzt ihrer Wahl aufsuchen - und auch dann nur zur Abklärung eventuell vorhandener therapierelevanter körperlich-organischer Faktoren.(ärztliches Konsil). Trotzdem gilt der Arztvorbehalt bisher für einige Privatversicherungen weiter, und somit wird das bei den gesetzlichen Kassen nunmehr endlich abgeschaffte "Delegationsverfahren" hier im Grunde fortgesetzt.

Vorteile bei Privatversicherungen

Gibt es denn gar keine Vorteile bei den Privaten? Schließlich genießt man als Privatpatient doch sonst besondere Privilegien in ärztlichen Praxen und wird von vielen Ärzten bevorzugt und besonders gut und gründlich versorgt? Doch, solche Vorzüge gibt es auch im Bereich Psychotherapie. Wenn Sie z.B. für eine psychotherapeutische Beratung, eine Krisenbehandlung oder eine kürzere Psychotherapie einen Psychotherapeuten aufsuchen, sind Sie in der Regel dort gerne gesehen, weil Sie das Kassenbudget nicht belasten. Auch erstatten fast alle Versicherungen zumindest bei ärztlich-psychotherapeutischer Behandlung bis zum 2,3fachen Satz (das ist etwas mehr als bei den gesetzlichen Kassen). Und wenn Sie z.B. eine Kurzzeittherapie von höchstens 15-30 Stunden benötigen, können Sie meist auch von einem psychologischen Psychotherapeuten zu Lasten Ihrer Versicherung behandeln lassen - in vielen Fällen sogar ohne umständliche Antrags- und Genehmigungsprozedur.

Anders sieht es bei Langzeitbehandlungen (über 30 Stunden) aus. Deren Kosten werden leider - wie erwähnt - auch bei Ärzten nicht immer in voller Länge übernommen. Es gibt eher nur wenige hier empfehlenswerte Versicherungen bzw. Tarife, die auch Langzeittherapien bei allen Vertrags-(Richtlinien-)Psychotherapeuten, d.h. ärztlichen, Psychologischen und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten miteinschließen, ähnlich wie bei den gesetzlichen Kassen - im Gegensatz zur Kurzzeitherapie aber in der Regel antrags- und gutachterpflichtig. Dabei können die Leistungen durchaus variieren, d.h. sie können hinsichtlich Höhe der Erstattung und auch der Stundenzahl über die der gesetzlichen Kassen hinausgehen (vgl. dazu unsere Information für Kassenpatienten).

Andere eventuell eingeschlossene besondere Leistungen sollten Sie allerdings sehr genau und kritisch prüfen. So übernehmen manche Versicherungen auch Behandlungen bei nicht-kassenzugelassenen Psychologischen Psychotherapeuten. Diese Therapeuten sind somit keine Vertragspsychotherapeuten, sie haben den Ausbildungs-Nachweis in kassenanerkannten (Richtlinien-)Verfahren in der Regel nicht entsprechend den GKV-Zulassungskriterien erbracht und wenden oft Therapiemethoden an, die vom Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen nicht anerkannt sind. Die Behandlungskosten werden daher von den gesetzlichen Kassen nicht übernommen. Da ein solcher Therapeut für seine gesetzlich verlangte Approbation aber auch Kenntnisse in wissenschaftlich anerkannten Verfahren nachgewiesen haben muß, um überhaupt praktizieren zu dürfen, heißt das nicht, daß seine angewendeten Methoden fragwürdig sein müssen, aber es ist möglich, dass er auch andere, wissenschaftlich nicht geprüfte Verfahren des "Psychomarktes" einsetzt. Vor allem bei nicht-approbierten Therapeuten - z.B. praktischen Psychologen oder Heilpraktikern - sollten Sie sehr vorsichtig sein. Denn wer heutzutage als Psychotherapeut tätig ist, muß als Arzt, Psychologischer Psychotherapeut oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut approbiert sein, alles andere ist ungesetzlich!

Fazit

Zusammenfassend könnte man sagen: Falls Sie bei Ihrer Privat-Versicherung einen Tarif abgeschlossen haben sollten, der nur unzureichend oder auch gar keine psychotherapeutische Leistungen einschließt (bitte erkundigen Sie sich oder schauen Sie in den Versicherungsbedingungen nach), sollten Sie sich überlegen, ob Sie nicht besser diesen Tarif - möglichst vor der Beantragung einer Psychotherapie - wechseln. (Schließlich kann jeder unerwartet Psychotherapie benötigen - und das kann dann sehr teuer werden!) Wenn Sie allerdings von Ihrer Versicherung eine Behandlung in der Länge wie bei den gesetzlichen Kassen bei einem kassenzugelassen psychologischen Psychotherapeuten, bei einem Arzt oder ggf. auch bei einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (Vertragspsychotherapeuten) in voller Höhe erstattet bekommen, dann können Sie - vergleichsweise - zufrieden sein und sind auf alle Fälle gut genug versichert. Wenn Ihre Versicherung dann auch noch Leistungen nicht-ärztlicher (Vertrags-)Psychotherapeuten mit dem vollen 2,3 fachen Satz auch bei Langzeitbehandlungen - und vielleicht sogar in der Stundenzahl nach oben hin nicht von vornherein begrenzt - erstattet, dann haben Sie eine Ausnahme-Versicherung!

Versicherungen dürfen wir Ihnen nicht empfehlen - Sie müssen leider selber die vertraglich zugesicherten Psychotherapieleistungen der verschiedenen Versicherer vergleichen. Aber wir können Ihnen Hinweise geben, wie Sie einen qualifizierten Psychotherapeuten finden: Am einfachsten ist es, wenn Sie sich von Ihrer örtlichen Kassenärztlichen Vereinigung (KV) eine Liste aller Vertragspsychotherapeuten schicken lassen. (Notfalls können Sie sich auch an die Geschäftsstelle des zuständigen Landesverbands des bvvp wenden.) Einen Behandler ihrer Wahl rufen Sie dann - wenn nicht anders angegeben - am besten 5 Minuten jeweils vor der vollen Stunde an (vgl. dazu auch Informationen für Kassenpatienten).

(Dr. F.R. Deister, bvvp)