Prognose des bvvp zu Einnahmen und Überschüssen psychotherapeutischer Praxen (vor Steuern) für das Jahr 1999

im Vergleich mit der Kostenstrukturanalyse für 1996 in westdeutschen Bundesländern des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Juni 1998)

Gruppe Gesamteinn. KV-Einn. Privateinn. Betriebsausg. Überschuß

Zentralinstitut 1994-96:

Ärzte insg.1995: 472.489,- 376.065,- 96.424,- 287.600,- 184.889,-
Ärztl. Psychoth. 1995 108.070,- 77.859,- 30.202,- 43.101,- 64.970,-
Ärztl. Psychoth. 1996 139.335,- 98.999,- 40.336,- 53.809,- 85.526,-
bvvp-Prognose für 1999
Alle Psychoth. 98.000,- 68.000,- 30.000,- 55.000,- 43.000,-

Die Statistik zeigt, daß die Psychotherapeuten ihre extrem schlechte Honorarsituation im Jahr 1995 im folgenden Jahr durch EBM-Punktzahlanhebungen für ihre Leistungen und Punktwertstützungen einiger KVen leicht verbessern konnten. Nach Erkenntnissen des bvvp gab es aber in den Jahren 1997 und 1998 keine weiteren Verbesserungen, sogar das Niveau von 1996 konnte nicht gehalten werden. (Für 1997 und 1998 liegen allerdings noch keine genauen Zahlen vor.) Aber auch jede geringfügige, nicht annähernd ausreichende Honorarsteigerung seit 1995 wird nunmehr durch die Umsetzung des Psychotherapeutengesetzes völlig zunichte gemacht. Denn im Jahr 1999 steht für die gesamte Psychotherapie nur ein gesetzlich festgelegtes Budget von rund 1,3 Milliarden DM zur Verfügung. Bei den aufgrund einer begründeten Schätzung des bvvp insgesamt zu erwartenden ca. 19000 Vollzeitbehandlern (anteilig inkl. Teilzeitbehandlern) ergibt dies einen durchschnittlichen GKV-Umsatz von 68.000,- DM pro Praxis. Es ist daher ein noch größeres finanzielles Debakel zu erwarten als je zuvor: Nach Abzug aller weiteren Kosten (Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung, Steuern) bleibt den Psychotherapeuten eigentlich nichts mehr zum Leben!


Bemerkungen:

- Die hohen Ausbildungskosten (100.000,- bis 250.000,- DM), die ein Psychotherapeut, anders als andere Ärzte, vor der Niederlassung selbst aufbringen und meist fremdfinanzieren muß, sind bei ihnen noch nicht eingerechnet, da sie nicht als Betriebsausgaben im üblichen Sinn einzustufen sind.

- Um eine größere statistische Sicherheit zu erhalten, wertet das Zentralinstitut nach eigenen Angaben diese Ergebnisse im Durchschnitt eines 3-Jahreszeitraums aus. Bei Psychotherapeuten hat das Zentralinstitut jedoch erst ab 1995 Zahlen vorgelegt.

- Die Privateinnahmen werden vom bvvp hier deutlich geringer als 1996 angesetzt, da im Jahre 1996 nur ärztliche Psychotherapeuten ausgewertet wurden. Denn für Rechnungen Psychologischer Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erstatten die Beihilfestellen und viele Privatversicherungen auch heute noch - völlig unbegründet - durchschnittlich nur bis zur Höhe von zwei Dritteln des üblichen Arzthonorars (1,5facher statt 2,3facher Satz). Darüber hinaus treffen Privatpatienten ab 1999 auf ein wesentlich größeres Angebot.

- Obwohl nicht nur der bvvp, sondern auch die KBV in ihrer Praxisbudget-Berechnung zu dem Ergebnis kommt, daß eine psychotherapeutische Praxis Betriebsausgaben von ca. 65.500,- DM p.a. verursacht, wird hier vom bvvp angenommen, daß unter den vorliegenden Bedingungen Kosten eingespart oder hinaus geschoben werden.