Ein Glückskind schwebt unter Wolke 7

Erinnern sie sich noch an die Dezemberausgabe? Da habe ich Glückskind berichtet. Über meinen Weg vom Staatsexamen bis in die ersten Monate meiner Praxistätigkeit als niedergelassene KJPlerin.
Nun ist wieder ein halbes Jahr ins Land gegangen und ich möchte interessierten Leserinnen und Lesern von weiteren Höhenflügen in meiner Tätigkeit berichten.

Ich habe eine sehr nette Schwester. Leonore ist selbst in Niedersachsen als Allgemeinmedizinerin niedergelassen. Sie rief mich im Februar an und fragte ganz neugierig „und, wie biste mit deiner ersten Abrechnung zufrieden?“ Abrechnung des III. Quartals 2006? Wie bitte?

Naja, wie gesagt, meine Schwester ist sehr nett und wir telefonieren regelmäßig. So vergingen dann noch einige Telefonate, ehe ich ihr meine Verärgerung über die Abrechnung berichtete. Zunächst konnte ich ihr nur die ersten Zahlen nennen, die vorne auf dem ersten Blatt der Abrechnung – Sie wissen schon: Der Kontoauszug. Viel mehr habe ich nämlich zunächst nicht verstanden. Aber zum Glück gibt es im vhvp Tilo Silwedel, der sich die Zeit nahm, mich zu beraten. (Anbei ein herzliches Dankeschön!)

Die KV hat sich nicht verrechnet, das hatte ich ja fast befürchtet: Gearbeitet habe ich in meinem 1. Quartal für meine Fixkosten. Dabei hatte ich 523.795 Punkte abgerechnet. Aber wie das so ist, wenn man keinen „Patientenstamm“ übernimmt – und in der psychotherapeutischen Praxis ja wohl nicht unüblich – ist man erstmal wochenlang mit Diagnostik beschäftigt. Da verwundert es doch eigentlich nicht, dass eine Überschreitung des RLV unabdingbar ist. In meinem Fall um 299.694,2 Punkte. Macht in den nicht genehmigungspflichtigen Leistungen, die 2/3 meiner Arbeitszeit (240 Stunden, ganz zu schweigen von den Wochenenden mit den Gutachten…) ausmachten, einen Stundenlohn von circa 5 Euro.

Ich bin mit einem Hobbysegelflieger verheiratet. Er sagt immer, „du darfst nicht bei Flaute starten und musst dann Thermik finden“. In der Segelflugsprache habe ich meinen Start wohl nur mit Hilfe eines Flugzeugschleppes geschafft. Eine Seilwinde hätte mich sicherlich nicht hoch genug ziehen können, bis ich die erste Thermik in diesen flauen Zeiten gefunden hätte.  Und das ging auch nur in einem Team aus vielen Mitstreitern, die auch fliegen. Denn bekannterweise ist das Segelfliegen ja ein Gruppensport.

Zum Glück bin ich Glückskind aber nicht abgestürzt und schwebe jetzt unter Wolke 7: Ich hoffe auf die Abrechnung meines II. Quartals, die sicher schon ganz anders aussehen wird.
Und auf einen erfolgreichen Widerspruch.

Ariadne Sartorius
Juni 2007